Die Macht der Gewohnheit: Ein Kommentar zur E3 von Pat von Legamedär [Teil 2]

Das Zauberwort der heutigen Zeit ist „Innovation“.
Innovation sah man auf der E3 bislang genau so selten wie im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm, denn Menschen sind Gewohnheitstiere. Abwechslung ist den meisten Menschen unangenehm, man muss sich an Neues anpassen, das ist Lernaufwand und Lernaufwand ist anstrengend. In diesem Teil möchte ich weniger auf die restlichen Pressekonferenzen an sich eingehen als viel mehr auf die immer gleichen Spiele.
Schaue ich auf die gezeigten Spiele, sehe ich da unter Anderem:

  • Halo 5
  • Plants vs. Zombies: Garden Warfare 2
  • Forza 6
  • Darksouls 3
  • Gears 4

Und das sind nur die von Microsoft gezeigten Titel mit Nummern am Ende. Fortsetzungen ohne Zahl sind aber trotzdem Fortsetzungen, deswegen als Ergänzung:

  • Rainbow Six Siege (Der inzwischen 9. Teil – ohne Erweiterungen)
  • Rise of the Tomb Raider (Der 10. Teil ohne Remakes, Multiplayer Spin-Offs und Handheld Spiele)

Ein Glück sind da keine Zahlen dahinter. Okay, der gut dafür bezahlende Kunde wird sich freuen. Ich mich aber nicht. Ach, was ich fast vergaß: natürlich kommt noch (das wurde aber vorher schon angekündigt) das absolut obligatorische MOBA „Fable: Legends“. Ein MOBA gehört heute zu jedem Publisher wie die berühmten Schuppen zum Fisch. Die berechtigte Frage stellt sich natürlich: wer soll all diese MOBAs Spielen? Die Marktanteile sind verteilt. „Dota 2“ und „League of Legends“ fechten den Kampf unter sich aus, Blizzards „Heroes of the Storm“ scheint für ambitionierte Spieler auf Grund der Einfachheit keine Alternative – und „Fable: Legends“ wird nicht mehr als ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein.

Ubisoft galt eine Zeit als Motor der Ideen. Viele neue Franchises, viele neue Charaktere und Szenarien. Viel Spielspaß, viel gut.
Ubisofts war nicht der Tropfen, Ubisoft war der heiße Stein. Der heiße Stein in einem großen Pizzaofen, aus dem jeder eine Pizza haben wollte .

Mit „Assasins Creed: Syndicate“ haut Ubisoft den inzwischen 9. Teil (Ohne Handheld etc.) raus – in 8 Jahren. Auch hier ist das Stichwort „Cashcow“. Melke die Kuh, solange sie noch Milch abwirft. Ubisoft hatte noch vor einiger Zeit die Macht, die Kuh lila zu färben und Kakao zu melken. Heute wirft die Kuh Ubisofts wohl nur noch saure Milch ab, denn „Assasins Creed: Syndicate“ unterscheidet sich fast gar nicht von seinen Vorgängern. Gut, wollen wir jetzt nicht auf der Kuh rumreiten sondern eher auf Ubisofts zukünftiger eierlegenden Wollmilchsau, „The Division“. Schon vor einem Jahr sah man Spielmaterial, das für damalige Verhältnisse super aussah, jetzt, eine E3 später, sieht es immer noch gleich aus. Hoffen wir mal, dass sich die Entwicklungszeit auch wirklich auszahlt. Der einzige Lichtblick in Ubisofts Pressekonferenz war in meinen Augen „For Honor“. Samurais, Ritter und Wikinger geben sich gegenseitig in fetzigen multiplayer Onlineschlachten auf die Omme und erinnern dabei an ein besseres „War of the Roses“ oder „Chivalery Medieval Warfare“.

Was ich jetzt in meiner Hetze fast vergaß: Ubisoft entwickelt nach dem Überraschungserfolg von letzem Jahr ein neues South Park Spiel. Da freue ich mich tatsächlich darauf. Auch wenn es blöd wirkt, dass nur ein Jahr später ein Nachfolger erscheint. Hoffen wir mal, dass „The Fractured but Whole“ genau so geil wird wie das Wortspiel im Titel,

Square Enix zündete dieses Jahr ein wahres Action-Feuerwerk. Wie jedes Feuerwerk war es zwar nichts wirklich neues, aber immer wieder schön anzuschauen.
Mit dabei waren ein neues

  • Hitman (6. Spiel der Reihe)
  • Deus Ex (4. Spiel der Reihe, ohne mobile Ableger)
  • Just Cause (3. Teil der Reihe)
  • Kingdom Hearts (3. Teil der Reihe)

und ein optisch aufgemotztes Final Fantasy 7.

Ihr seht worauf das hinausläuft. Kaum Neues, kaum Spannendes. Und trotzdem werden wir die Spiele kaufen. Manche zumindest. Vielleicht. Zu Testzwecken. Schwenken wir also zu den letzten Konferenzen, über Sony hin zu Nintendo. Von Sony habe ich nicht viel erwartet, wurde deswegen auch nicht enttäuscht sondern tatsächlich ein wenig überrascht.

Dass vor Kurzem noch von der Einstellung der Produktion gesprochen wurde tat nichts zur Sache. Von neuem Gamematerial zu „The last Guardian“, was sich seit 2005 in Produktion befindet, haben viele Fans geträumt, es aber möglicherweise nicht erwartet. Genau so wenig konnte man „Horizon: Zero Dawn“ rechnen, einem Indianer-Roboter-Kampfspiel in schönem Gewand. Endlich mal was neues in diesem Artikel – unglaublich.

Weiter gezeigt:

  • Street Fighter V
  • Batman Arkham Knight (4. Teil der Reihe)
  • Call of Duty: Blackops 3 (12. Teil der Reihe)

Damit es nachher nicht heißt, ich sei ein negativ eingestellter Mensch, möchte ich doch noch „Firewatch“ und „No Man’s Sky“ erwähnen. Erstes ein spannend wirkendes Adventure, zweiteres ein bereits angekündigtes open-universe Erkundungs- und Survivalgame, das auch auf dem PC erscheinen wird.

Nintendo ist schnell abgehandelt:

  • Ein neues Starfox Abenteuer – das ist zwar nichts Neues, gab es aber schon lange nicht mehr.
  • Ein neues Zelda, allerdings nicht das lange erwartete für die WiiU, sondern ein neuer Ableger (und der gefühlt 1000.) für den Handheld Nintendo 3DS.
  • Ein neues Sammelfigurenprügelspiel von Skylanders.
  • Hyrule Warriors 3DS (Jetzt bringen sie es nach der WiiU Version auch noch auf den Handheld – wie innovativ!).

Für mich enttäuschend. Wir wollten Zelda für die WiiU und bekamen Skylanders…

Kommen wir also abschließend zu einem Fazit. Innovation ist ein Fremdwort. Außer in einem Punkt. Microsofts HoloLens soll eine ganz neue Erfahrung werden. Für die, die sich das Teil dann auch leisten können. So oder so sieht diese Brille vielversprechend aus.

Ansonsten sehe ich Fortsetzung über Fortsetzung. Der aktuelle Status in der Gameindustrie erinnert an eine Tiefkühlpizza: schmecken alle gleich – aber nicht besonders gut. Lieber die Pizza aus dem Ofen mit dem heißen Stein. Aber die gibt es nicht. Wieso auch etwas neues, wenn sich das Altbekannte verkauft wie warme Semmeln. Aus dem Supermarkt, nicht vom Bäcker. Und erst recht nicht aus dem Steinofen…

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