Die Bombe platzen lassen: Ein Kommentar zur E3 von Pat von Legamedär [Teil 1]

Es gibt diese Tage, an denen wünscht man sich, dass sie nie zu Ende gehen mögen. Das sind Tage, die einem für immer in Erinnerung bleiben, an die man sich noch Jahre später bis ins letzte Detail an alles erinnern kann. Aufgrund von Leistung. Aufgrund von Eindrücken. Auf Grund von Emotionen.
Gestern war kein solcher Tag. Es war eher einer von der „Man-das-wird-so-gut-und-dann-ist-doch-nicht-so-gut“-Sorte. Um es anders auszudrücken: ich habe schon heißere Nächte verbracht – und man könnte ja davon ausgehen, dass es in L.A. heiß war. Auf die Lufttemperatur mag das auf jeden Fall zutreffen, auch wenn das Wetter leicht bewölkt war, aber in den Konferenzräumen der großen Publisher war es eher kühl. Für meinen Geschmack zumindest. Chronologische Abhandlung. Vom Anfang bis zum bitteren Ende.

Bethesda Pressekonferenz:
Das Beste kommt zum Schluss. Pustekuchen. Bethesda, das erste Mal eine Pressekonferenz gebend auf der E3, legte los wie Rocco Siffredi mit Anfang 20. Mit der Beta von „Battlecry“ und neuen Inhalten für das erst vor Kurzem zum Buy to Play Titel degradierten „The Elder Scrolls Online“ waren wohl die ersten Zuschauer zufrieden. Dann machte Bethesda einen Spielzug, den außer dem Orakel von Delphi wahrscheinlich niemand auf dem Schirm hatte – und möglicherweise auch niemand vermisste:
Ein Elder Scrolls Sammelkartenspiel á la Blizzards Hearthstone – genannt „The Elder Scrolls: Legends“. Diese Spiele sind eine wahre Cashcow – daher ist es nicht verwunderlich, dass auch andere Entwickler auf den Sammelhype aufspringen wollen. Aber mal ehrlich: schon Hearthstone fand ich bislang eher langweilig – es geht halt nichts über eine richtige Partie Yu-Gi-Oh! oder Magic: The Gathering.

Wirklich viel Bühnenzeit hatten die Games aber nicht, schnellt rollte man den roten Teppich für die Tripple A Titel der kommenden Zeit aus.
Mit einem optisch sehr ansprechenden neuen Teil vom Splatterurgestein „Doom“, von dem bislang außer einem Rendertrailer noch nicht wirklich viel bekannt war, sah man jetzt Gameplay Material. Der Singleplayer wirkt wie ein Hamster in seinem Rad – schnell, unabwechslungsreich und immer mit der Angst im Hinterkopf, bei einer falschen Bewegung die Gedärme nach außen zu gekehrt zu bekommen. Der Multiplayer erinnert an einen klassischen alten Arenashooter – gefällt mir eher nicht so, aber er wird seine Fans hundertprozentig finden.

Ohne weiteren Zeitverlust ging man zum nächsten Titel über: Dishonored 2. Der erste Teil der Serie war ganz cool (Hier der Testbericht zu Teil 1), hat sich jedoch nicht in mein Hirn gebrannt wie andere Titel. Im Nachfolger spielen wir voraussichtlich Emily Kaldwin, das kleine Mädchen aus Teil 1, die inzwischen zu einer attraktiven jungen Frau herangewachsen ist. Rein Gameplaytechnisch konnte der ambitionierte Zuschauer, außer ein paar neuen Fertigkeiten der Heldin, nicht viel neues entdecken. Angesichts des Titels, der aber danach näher beleuchtet und dem definitiv am meisten Aufmerksamkeit gewidmet wurde, ist das aber auch nicht weiter verwunderlich.

Auch hier gab es vorher schon einen ersten Trailer zu sehen, daher war der Überraschungseffekt an der Konferenz natürlich gleich Null. Da hätte Bethesda sich mal besser aufgespart und die Bombe in der Präsentation platzen lassen. Aber hätte hätte Fahrradkette, es wollten trotzdem oder genau deswegen natürlich alle Fallout 4 sehen. Und wie sie es sahen. Nach dem ersten Trailer gab es aufgrund der Optik Stimmen in meinem Kopf, die Zweifel aufkommen ließen. Ich alte Grafikhure. Im Unterschied zu anderen Studios ist bei Bethesda die gute Grafik (zum Glück) nur ein Teilpunkt, sozusagen ein „nice to have“. Das ist auch der Tenor der Fans, die von einem Rollenspiel Inhalte erwarten – und nicht ein riesen Grafikfeuerwerk. Und diese Inhalte wird Bethesda mit Fallout 4 definitiv liefern.
Zweihundert Jahre nach dem Einschlag der Bombe steigt der Spieler wahlweise als Männlein oder Weiblein aus der Vault und findet eine riesige, postapokalyptische offene Spielwelt vor, die in der Umgebung von Boston spielt. Zur Story hat Bethesda glücklicherweise noch nichts gespoilert – allerdings sollte der Spieler „die absolute Freiheit haben, das zu tun, was er will“. Neu ist ein umfangreiches Crafting- und Bausystem, mit dem wir in der Spielwelt Zufluchtsorte für weitere Überlebende gestalten können. Außerdem soll es über 50 Waffen und 700 Modifikationen für die Waffen geben, die beliebig zusammengewürfelt werden können. Um die Grafikhure in mir doch noch zu beglücken (höhö that Wortspiel) hat Bethesda scheinbar die Grafikschraube noch einmal ein wenig angezogen, so sah das Ingamematerial deutlich besser aus als noch im Trailer. Fallout 4 erscheint dann im Vorweihnachtsgeschäft 2015 für alle aktuellen Plattformen.

Gleichzeitig stellte Bethesda eine App vor, in der wir (scheinbar ähnlich wie in Tiny Death Star etc.) unsere eigene Vault bauen und verwalten müssen. Die App kann auf Apples mobilem Betriebssystem iOS schon heruntergeladen werden.

Das war der Anfang. In Teil 2 geht es dann um die weiteren Pressekonferenzen (Microsoft, Ubisoft, Sony) bis hin zum bitteren Ende.

Hier noch die gesamte Bethesda Pressekonferenz:

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